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Begleitung und Entlastung Angehöriger

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Familien mit behinderten und/oder pflegebedürftigen Angehörigen stehen täglich vor großen Herausforderungen. Ihr intensiver und dauerhafter Einsatz erfordert viel Zeit und noch mehr Kraft.

Pflegende und begleitende Familien sind daher dringend auf Entlastung angewiesen. „Zupacken“ und loslassen – beides ist notwendig, beides will erlernt sein.

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„Inklusion ist nicht das Sammelbecken für Minderheiten“: Aktivist Raúl Krauthausen beim Vitus Akademieabend

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Ziemlich beste Teilhabe – unter diesem Titel fand der erste Vitus Akademieabend im Meppener Jugend- und Kulturzentrum JAM statt. Durch den Abend führte Moderator Dr. Michael Reitemeyer, Leiter des Ludwig Windthorst Hauses in Lingen. Begleitet wurde die Veranstaltung von der Simultanzeichnerin Janine Lancker von Fliplance sowie der Theatergruppe der Vitus Werkstatt mit ihrem Theaterstück „Gelbe Farbe“. 

   

 

Raúl Krauthausen, Berliner Inklusions-Aktivist, auf der Bühne im JAM Meppen  
   
„Es ist ein Unterschied, ob jemand behindert ist oder behindert wird.“

In seinem Impulsvortrag erklärte Raúl Krauthausen, Berliner Inklusions-Aktivist und Gründer des Vereins Sozialhelden, dass viele Orte in Deutschland nicht behindertengerecht seien. Daher hat Krauthausen die Internetseite „Wheelmap“ ins Leben gerufen, die Rollstuhlfahrern zeigt, welche Gebäude und Infrastruktureinrichtungen in einem Sozialraum barrierefrei sind. Auch die Art der Berichterstattung in den Medien beeinflusse das Bild von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft. So seien Menschen nicht an den Rollstuhl „gefesselt“, ein Rollstuhl mache ganz im Gegenteil mobil. Häufig würden Erwachsene mit Behinderung in den Medien auch wie Kinder dargestellt.

„Es ist wichtig gesetzliche Rahmen zu stecken, damit Menschen ihre Macht nicht missbrauchen.“

In der darauffolgenden Podiumsdiskussion mit dem Hamburger Anwalt Reinhold Hohage,  Ina Wysotzki, Mitglied im Behindertenbeirat des Landkreises Emsland, sowie Vitus Geschäftsführer Michael Korden ergriff Krauthausen erneut das Wort: „Viel zu häufig wird Menschen mit Behinderung von Außenstehenden gesagt, was sie können und was nicht. Wir haben aber das Recht selbst zu entscheiden, was wir wollen.“

„Wir tun so, als ob Menschen mit Behinderung vor drei Jahren aus Erdlöchern gekommen sind.“

Alle Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass in Bezug auf das Thema Inklusion noch viel zu tun sei. Das neue Bundesteilhabegesetzt (BTHG) sei dabei nur ein Anfang.

Anwalt Reinhold Hohage: „Es gibt zu wenige Wohnungen für Menschen mit Behinderung. Die größte Barriere ist die Grundsicherung. So wird eine Gettobildung gefördert.“ Und auch die Wirtschaft müsse mehr in die Pflicht genommen werden: „Unternehmen trauen sich nicht, Menschen mit Behinderung zu beschäftigten. Ein Mensch mit Behinderung pro 20 Beschäftigte ist zu wenig. Es sollte kein Freikaufen über die Ausgleichsabgabe geben.“

Ina Wysotzki wies auf das Thema Barrierefreiheit hin. „In Meppen wurde schon einiges erreicht – barrierefreie Bushaltestellen und ein barrierefreier Bahnhof – doch viele Restaurants und Kneipen sind nicht barrierefrei. Vor dem Eingang befinden sich häufig Treppenstufen und Toiletten sind oftmals im Keller und für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar.“

Inklusion lässt sich nicht allein von einer Seite betrachten, sondern ist auch immer eine Frage des Geldes und der Ressourcen, die zur Verfügung stehen. „Inklusion bedeutet nicht nur, dass alle zusammen sind, sondern auch, dass jeder das bekommt, was er braucht“, so Vitus Geschäftsführer Korden zum Ende der Veranstaltung.
   

 

Teilnehmer der Podiumsdiskussion v.l.n.r.: Moderator Dr. Michael Reitemeyer, der Hamburger Anwalt Reinhold Hohage, Vitus Geschäftsführer Michael Korden, Ina Wysotzki, Mitglied im Behindertenbeirat des Landkreises Emsland, sowie Raúl Krauthausen